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Die Elternzeit gehört zu den schönsten und intensivsten Phasen im Leben. Gleichzeitig ist sie finanziell eine der riskantesten. Dein Einkommen sinkt drastisch, deine Ausgaben steigen (Baby-Ausstattung, größere Wohnung, Kinderbetreuung), und deine Altersvorsorge steht auf Pause — wenn du nicht aktiv gegensteuerst.

In diesem Artikel bekommst du alles, was du für die Elternzeit Finanzplanung brauchst: Wie du dein Elterngeld maximierst, wie du dein Budget an das reduzierte Einkommen anpasst, und vor allem — welche Verträge du auf keinen Fall pausieren solltest, auch wenn das Geld knapp wird.

Elterngeld verstehen: Basis, Plus & Partnerschaftsbonus

Das Elterngeld ist die wichtigste Einkommensquelle in der Elternzeit. Aber es gibt nicht "das" Elterngeld — sondern drei Varianten, die du kombinieren kannst.

Basiselterngeld

  • Höhe: 65-67 % des Nettoeinkommens vor der Geburt, mindestens 300 Euro, maximal 1.800 Euro pro Monat
  • Dauer: 12 Monate für einen Elternteil, 14 Monate insgesamt wenn beide mindestens 2 Monate nehmen
  • Zuverdienst: Seit September 2021 darfst du bis zu 32 Stunden pro Woche in Teilzeit arbeiten und trotzdem Basiselterngeld beziehen (Einkommen wird angerechnet)

ElterngeldPlus

  • Höhe: Maximal die Hälfte des Basiselterngelds, also bis zu 900 Euro
  • Dauer: Dafür doppelt so lange — 1 Monat Basiselterngeld = 2 Monate ElterngeldPlus
  • Vorteil: Besonders sinnvoll, wenn du in Elternzeit Teilzeit arbeiten willst. Denn bei Teilzeit wird das Basiselterngeld stark gekürzt, ElterngeldPlus aber oft kaum.

Partnerschaftsbonus

  • Voraussetzung: Beide Elternteile arbeiten gleichzeitig 24-32 Stunden pro Woche
  • Bonus: Bis zu 4 zusätzliche Monate ElterngeldPlus für jeden Elternteil
  • Sinn: Der Bonus belohnt partnerschaftliche Aufteilung — und bringt bis zu 7.200 Euro extra
Die optimale Elterngeld-Strategie ist nicht: Maximum für ein Jahr. Sie ist: Die richtige Kombination aus Basis, Plus und Partnerschaftsbonus — abgestimmt auf eure Lebenssituation.

Elterngeld für Selbstständige

Wenn du selbstständig bist, wird das Elterngeld auf Basis deines Gewinns laut Steuerbescheid der letzten 12 Monate vor der Geburt berechnet. Das kann tricky sein, weil der Steuerbescheid oft erst Monate nach Abgabe kommt. Plane also voraus: Der letzte vorliegende Steuerbescheid sollte ein möglichst gutes Einkommen ausweisen.

Während der Elternzeit darfst du als Selbstständige weiterarbeiten — bis zu 32 Stunden pro Woche. Dein Einkommen wird allerdings auf das Elterngeld angerechnet. Hier kann ElterngeldPlus sinnvoller sein als Basiselterngeld, weil die Anrechnung weniger ins Gewicht fällt.

Der Steuerklassen-Trick: So holst du mehr Elterngeld raus

Das Elterngeld wird auf Basis deines Nettolohns berechnet. Und dein Nettolohn hängt direkt von deiner Steuerklasse ab. Das ist der wichtigste Hebel, den du vor der Schwangerschaft ziehen musst.

Die Rechnung

Beispiel: Du verdienst 3.800 Euro brutto monatlich.

  • Steuerklasse 5: ca. 2.100 Euro netto → Elterngeld ca. 1.365 Euro
  • Steuerklasse 3: ca. 2.700 Euro netto → Elterngeld ca. 1.755 Euro
  • Differenz: rund 390 Euro pro Monat, über 12 Monate = 4.680 Euro

4.680 Euro mehr — allein durch einen Wechsel der Steuerklasse. Kein Trick, sondern ein legaler Optimierungsschritt, den jede Familie nutzen sollte.

Timing ist alles

Die Steuerklasse, die in den 12 Monaten vor dem Mutterschutz überwiegend gegolten hat, bestimmt dein Elterngeld. "Überwiegend" heißt: mindestens 7 von 12 Monaten. Da die gesetzliche Mutterschutzfrist 6 Wochen vor dem errechneten Termin beginnt, musst du rund 13 Monate vor dem Geburtstermin die Steuerklasse gewechselt haben.

Praxis-Tipp: Wechsle die Steuerklasse, sobald ein Kinderwunsch konkreter wird. Nicht erst wenn der Test positiv ist — dann kann es zeitlich eng werden.

Katharina Vranic
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Budget in der Elternzeit: Mit weniger Einkommen klar kommen

Selbst mit optimiertem Elterngeld wirst du in der Elternzeit deutlich weniger Einkommen haben als vorher. Bei den meisten Familien sind es 30 bis 50 % weniger. Darauf musst du dich vorbereiten.

Vor der Geburt: Puffer aufbauen

  • Notgroschen aufstocken: Mindestens 3 Monatsgehälter sollten auf dem Tagesgeld liegen, besser 6. Unvorhergesehene Kosten kommen in den ersten Monaten garantiert.
  • Elternzeit-Budget erstellen: Rechne durch, wie euer Haushalt mit Elterngeld statt Gehalt aussieht. Welche Ausgaben könnt ihr reduzieren? Welche kommen dazu (Windeln, Kinderausstattung, ggf. größere Wohnung)?
  • Große Anschaffungen vorziehen: Kinderwagen, Autositz, Möbel — besser vorher kaufen, wenn noch zwei volle Gehälter reinkommen.

Während der Elternzeit: Ausgaben optimieren

  • Fixkosten prüfen: Versicherungen, Abos, Verträge — was davon brauchst du wirklich? Ein Streaming-Dienst weniger spart 150 Euro im Jahr.
  • Mutterschaftsgeld nicht vergessen: Die Krankenkasse zahlt bis zu 13 Euro pro Tag, der Arbeitgeber stockt auf dein Nettogehalt auf. Das gibt es 6 Wochen vor und 8 Wochen nach der Geburt.
  • Kindergeld einplanen: 250 Euro pro Kind und Monat. Ab dem ersten Monat nach der Geburt.

Sparplan reduzieren statt stoppen

Wenn das Geld knapp wird, ist die Versuchung groß, den ETF-Sparplan zu pausieren. Besser: Reduzieren statt stoppen. Auch 25 oder 50 Euro monatlich halten den Sparrhythmus aufrecht und du profitierst weiter vom Zinseszinseffekt. Komplett stoppen ist wie vom Laufband springen — der Wiedereinstieg ist psychologisch viel schwerer als das Weiterlaufen in langsamem Tempo.

Vorsorge in der Elternzeit: Was du auf keinen Fall pausieren solltest

Die Elternzeit Vorsorgelücke ist einer der Hauptgründe für den Gender Pension Gap. Denn viele Frauen pausieren in der Elternzeit nicht nur ihre Karriere, sondern auch ihre gesamte Vorsorge. Das kostet langfristig zehntausende Euro.

Gesetzliche Rente: Was passiert automatisch

Gute Nachricht: Für die ersten 3 Lebensjahre deines Kindes bekommst du Erziehungszeiten auf dein Rentenkonto gutgeschrieben — rund einen Rentenpunkt pro Jahr, aktuell ca. 39,32 Euro monatliche Rente. Das passiert automatisch, wenn du es bei der DRV meldest.

Weniger gut: Wenn du vor der Elternzeit überdurchschnittlich verdient hast, sind die Erziehungszeiten weniger als das, was du erwerbstätig gesammelt hättest. Und nach dem dritten Lebensjahr? Gibt es keine automatische Anrechnung mehr.

Diese Verträge nicht pausieren

  • Berufsunfähigkeitsversicherung: Auf keinen Fall kündigen oder pausieren! Ein Wiederabschluss nach der Elternzeit ist oft teurer oder unmöglich (wegen Gesundheitsfragen). Manche BU-Tarife bieten eine Beitragsfreistellung in der Elternzeit — das ist okay, solange der Schutz weiterläuft.
  • Private Haftpflichtversicherung: Muss weiterlaufen. Kinder sind mitversichert, wenn du Familientarif hast — prüfe das!
  • Krankenversicherung: In der Elternzeit bist du als Angestellte weiter bei deiner Kasse versichert (beitragsfrei, wenn du kein Einkommen hast). Als Selbstständige musst du dich selbst versichern — die Beiträge laufen weiter, ggf. auf Mindestbemessung.
  • ETF-Sparplan: Reduzieren ist okay. Stoppen vermeiden. Die Gewohnheit des Investierens ist wertvoller als die einzelne Rate.

Was du pausieren kannst

  • Risikolebensversicherung: Wenn sie nur deinen Beitrag zum Haushalt absichert und du kein Einkommen hast, kann man darüber nachdenken. Aber: Sie ist oft so günstig (10-20 Euro/Monat), dass eine Pause sich kaum lohnt.
  • Zusatzversicherungen (Zahnzusatz, Auslandskrankenversicherung): Können vorübergehend pausiert werden, wenn es nötig ist.
Die teuerste Entscheidung in der Elternzeit ist nicht die Kündigung eines Vertrags. Es ist die Kündigung der Gewohnheit, für die eigene Zukunft vorzusorgen.

Wiedereinstieg planen: Finanziell vom ersten Tag an richtig aufgestellt

Die Elternzeit endet — und dann? Viele Frauen rutschen in die Teilzeitfalle, weil der Wiedereinstieg nicht geplant war. Damit das nicht passiert, solltest du den Wiedereinstieg schon während der Elternzeit vorbereiten.

Arbeitszeit: So viel wie möglich, so wenig wie nötig

Die Frage ist nicht: Vollzeit oder Teilzeit? Die Frage ist: Welche Stundenzahl ermöglicht dir die beste Balance zwischen Einkommen, Karriere und Familie — ohne dich langfristig in die finanzielle Abhängigkeit zu bringen?

Hilfreiche Leitfragen:

  • Was kostet Kinderbetreuung in deiner Situation? (Kita, Tagesmutter, Au-pair)
  • Wie viele Stunden müsstest du arbeiten, um deine Sparrate und Altersvorsorge aufrechtzuerhalten?
  • Hat dein Arbeitgeber ein Recht auf Brückenteilzeit (befristete Teilzeit mit Rückkehr auf Vollzeit)?
  • Gibt es die Möglichkeit für Remote-Arbeit oder flexible Arbeitszeiten?

Brückenteilzeit: Dein Sicherheitsnetz

Seit 2019 haben Arbeitnehmer in Unternehmen mit mehr als 45 Mitarbeitern das Recht auf Brückenteilzeit — eine befristete Teilzeitphase von 1 bis 5 Jahren, nach der du automatisch auf deine ursprüngliche Stundenzahl zurückkehrst. Das ist deutlich besser als eine unbefristete Teilzeit, aus der du nie wieder rauskommst.

Finanzielle Sofort-Maßnahmen nach dem Wiedereinstieg

  1. Sparplan wieder hochfahren: Wenn du ihn reduziert hast, jetzt zurück auf die alte Rate — oder höher, wenn das Einkommen es hergibt.
  2. Gehaltsverhandlung planen: Du warst weg — aber deine Qualifikation nicht. Viele Frauen akzeptieren nach der Elternzeit stillschweigend, dass sich nichts verändert hat. Tu das nicht.
  3. Steuerklasse prüfen: Wenn du vor der Elternzeit in Steuerklasse 3 gewechselt hast, prüfe jetzt, ob 4/4 mit Faktor langfristig sinnvoller ist.
  4. Altersvorsorge-Check: Wie groß ist deine Rentenlücke nach der Elternzeit? Was musst du jetzt monatlich zurücklegen, um sie bis zur Rente zu schließen?
  5. Berufsunfähigkeitsversicherung anpassen: Dein Einkommen hat sich verändert — passt die BU-Rente noch?

Die Elternzeit ist eine Pause in deiner Karriere — aber sie sollte keine Pause in deiner finanziellen Planung sein. Je besser du die Elternzeit finanziell durchdenkst, desto entspannter kannst du die Zeit mit deinem Kind genießen. Ohne schlaflose Nächte wegen Geld (die schlaflosen Nächte wegen des Babys kommen sowieso).

Häufige Fragen

Wie wirkt sich Elternzeit auf meine Rente aus?

Für die ersten 3 Lebensjahre des Kindes werden Erziehungszeiten angerechnet — das entspricht aktuell rund einem Rentenpunkt pro Jahr. Allerdings fehlen in dieser Zeit Beiträge aus Erwerbseinkommen, was die Rente langfristig spürbar reduziert.

Sollte ich meinen ETF-Sparplan in der Elternzeit pausieren?

Wenn irgend möglich nicht. Selbst 25 bis 50 Euro monatlich erhalten den Investitionsrhythmus und nutzen den Zinseszinseffekt. Pausierst du 3 Jahre komplett, verlierst du nicht nur die Einzahlungen, sondern auch die Rendite auf diese Beträge — über 20 Jahre ein fünfstelliger Betrag.

Was muss ich finanziell vor der Elternzeit regeln?

Drei Dinge: Erstens die Steuerklasse prüfen (Wechsel auf 3 erhöht das Elterngeld). Zweitens eine Rücklage von 3 bis 6 Monatsausgaben aufbauen. Drittens alle Versicherungen prüfen, insbesondere Berufsunfähigkeit und Risikoleben.