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Die Idee klingt verlockend: Du gründest eine GmbH, zahlst auf deinen Gewinn nur rund 30 % Steuern statt bis zu 45 % Spitzensteuersatz als Einzelunternehmer — und sparst damit jedes Jahr Tausende Euro. Aber stimmt das wirklich? Und wenn ja: Ab welchem Gewinn lohnt sich der Schritt zur GmbH?

Die Antwort ist differenzierter als die meisten YouTube-Videos es darstellen. Denn die GmbH-Steuerlast ist zwar auf den ersten Blick niedriger, aber du musst die GmbH gründen Kosten, die laufenden Kosten der GmbH und die Besteuerung bei der Gewinnausschüttung mitrechnen. In diesem Artikel rechne ich dir das komplett durch — mit echten Zahlen.

Die Steuer-Logik: Warum die GmbH ab 80.000 Euro Gewinn gewinnt

Um zu verstehen, warum sich die GmbH steuerlich lohnen kann, musst du zwei Steuersysteme vergleichen: die Einkommensteuer beim Einzelunternehmen und die Kombination aus Körperschaftsteuer plus Gewerbesteuer bei der GmbH.

GmbH vs. Einzelunternehmen: Die Steuer-Unterschiede

Als Einzelunternehmer zahlst du auf deinen Gewinn Einkommensteuer nach deinem persönlichen Steuersatz. Dieser steigt progressiv an: Bei einem zu versteuernden Einkommen von 80.000 Euro liegst du bereits bei einem Grenzsteuersatz von rund 42 %. Ab 277.826 Euro greift der Spitzensteuersatz von 45 %. Dazu kommt der Solidaritätszuschlag (5,5 % auf die ESt, sofern die Freigrenze überschritten wird) und ggf. Kirchensteuer.

Die GmbH dagegen zahlt auf ihren Gewinn Körperschaftsteuer von 15 % plus 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf (= 15,825 %) und Gewerbesteuer. Die Gewerbesteuer GmbH berechnet sich aus dem Gewerbesteuer-Hebesatz deiner Gemeinde multipliziert mit der Steuermesszahl von 3,5 %. Bei einem durchschnittlichen Hebesatz von 400 % ergibt das 14 %. In Summe liegt die GmbH-Steuerlast also bei rund 30 % — unabhängig davon, ob der Gewinn 50.000 oder 5 Millionen Euro beträgt.

Die GmbH besteuert Gewinne mit einem festen Satz von rund 30 %. Das Einzelunternehmen mit einem progressiven Satz bis 45 %. Der Bruchpunkt liegt bei etwa 80.000 Euro Gewinn.

GmbH ab welchem Gewinn? Die Faustregel

Der GmbH-Steuervergleich Einzelunternehmen zeigt: Ab einem nachhaltigen Jahresgewinn von etwa 80.000 Euro beginnt die GmbH steuerlich günstiger zu werden. Aber Achtung — das gilt nur, solange du den Gewinn in der GmbH belässt. Sobald du ihn dir als Gewinnausschüttung auszahlst, greift die Kapitalertragsteuer 25 % (plus Soli und ggf. Kirchensteuer), was die Gesamtbelastung wieder auf etwa 48-50 % hochtreibt.

Deshalb ist die entscheidende Frage nicht nur "Ab welchem Gewinn lohnt sich die GmbH?", sondern: Wie viel von deinem Gewinn brauchst du tatsächlich zum Leben?

Das GmbH-Geschäftsführergehalt als Stellschraube

Hier kommt der clevere Hebel: Als Geschäftsführer deiner eigenen GmbH zahlst du dir ein GmbH-Geschäftsführergehalt. Dieses Gehalt ist für die GmbH eine Betriebsausgabe — es mindert also den Gewinn der GmbH. Du selbst versteuerst es als Einkommen aus nichtselbstständiger Arbeit. Das klingt zunächst nach einem Nullsummenspiel, aber die Gestaltungsmöglichkeit liegt in der Höhe: Du kannst dein Gehalt so wählen, dass dein persönlicher Steuersatz im günstigen Bereich bleibt — und der Rest des Gewinns bleibt in der GmbH bei nur 30 % Steuer.

Das Rechenbeispiel: Einzelunternehmen vs. GmbH bei 120.000 Euro Gewinn

Lass uns konkret rechnen. Annahme: Du erwirtschaftest einen Jahresgewinn von 120.000 Euro, bist ledig, ohne Kirchensteuer, und der Gewerbesteuer-Hebesatz beträgt 400 %.

Variante 1: Einzelunternehmen

Gewinn: 120.000 Euro. Als Einzelunternehmer zahlst du darauf Einkommensteuer. Nach Abzug des Grundfreibetrags (2026: 12.096 Euro) und unter Berücksichtigung der Gewerbesteuer-Anrechnung (die bei Einzelunternehmen bis zum 4-fachen des Gewerbesteuer-Messbetrags auf die ESt angerechnet wird) ergibt sich eine Steuerlast von rund 38.500 Euro. Es bleiben dir also etwa 81.500 Euro netto.

Variante 2: GmbH mit Geschäftsführergehalt

Gewinn der GmbH vor Geschäftsführergehalt: 120.000 Euro. Du zahlst dir ein Geschäftsführergehalt von 60.000 Euro brutto. Der verbleibende Gewinn der GmbH beträgt also 60.000 Euro.

Steuern auf GmbH-Gewinn: Körperschaftsteuer (15,825 %): 9.495 Euro. Gewerbesteuer (14 %): 8.400 Euro. Summe: 17.895 Euro. Gewinn nach Steuern in der GmbH: 42.105 Euro.

Steuern auf dein Geschäftsführergehalt: Bei 60.000 Euro brutto (Steuerklasse I, keine Kirchensteuer) zahlst du rund 14.500 Euro Einkommensteuer plus Sozialabgaben.

Gesamtsteuer (ohne Ausschüttung): 17.895 + 14.500 = ca. 32.395 Euro. Das sind rund 6.100 Euro weniger als im Einzelunternehmen.

Wenn du die 42.105 Euro als GmbH-Gewinnausschüttung nimmst, fallen darauf nochmals Kapitalertragsteuer 25 % plus Soli an — das sind rund 11.100 Euro. Dann liegt die Gesamtbelastung bei ca. 43.500 Euro, also höher als beim Einzelunternehmen.

Die GmbH spart nur dann Steuern, wenn du den Gewinn (teilweise) in der Gesellschaft belässt — zum Investieren, für Rücklagen oder den Vermögensaufbau. Wer alles ausschüttet, zahlt sogar drauf.
Katharina Vranic
Lohnt sich die GmbH für dich?
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Laufende Kosten der GmbH: Was du realistisch einplanen musst

Ein GmbH-Steuervergleich wäre unvollständig ohne die Kosten, die das Einzelunternehmen nicht hat. Und davon gibt es einige.

Einmalige GmbH gründen Kosten

Stammkapital 25.000 Euro: Das ist das gesetzliche Mindeststammkapital. Es muss bei Gründung mindestens zur Hälfte (12.500 Euro) eingezahlt werden. Das Geld ist nicht "weg" — es gehört der GmbH und kann für das Geschäft verwendet werden.

GmbH Gründung Notar: Der GmbH-Gesellschaftsvertrag muss notariell beurkundet werden. Kosten: 800-1.500 Euro je nach Komplexität. Bei einer Standardgründung mit Musterprotokoll eher 400-600 Euro.

GmbH Handelsregister: Die Eintragung ins Handelsregister kostet rund 150 Euro. Dazu kommen Veröffentlichungskosten von ca. 30 Euro.

Sonstige Gründungskosten: Geschäftskonto, ggf. Rechtsberatung für den GmbH-Gesellschaftsvertrag, gewerbliche Anmeldung — rechne mit insgesamt 1.500-3.000 Euro Gründungskosten.

GmbH laufende Kosten pro Jahr

Hier wird es spannend, denn die GmbH laufende Kosten werden oft unterschätzt:

GmbH-Bilanzpflicht: Anders als beim Einzelunternehmen mit EÜR musst du eine doppelte Buchführung machen und einen Jahresabschluss erstellen. Steuerberaterkosten dafür: 3.000-8.000 Euro pro Jahr, je nach Umsatzvolumen und Komplexität.

GmbH: IHK-Pflichtmitgliedschaft: Die GmbH ist Pflichtmitglied in der IHK. Der Mindestbeitrag liegt bei 150-250 Euro pro Jahr, kann bei höheren Erträgen aber auf 500-1.000 Euro steigen.

Lohnbuchhaltung: Für dein Geschäftsführergehalt brauchst du eine monatliche Lohnabrechnung. Kosten beim Steuerberater: 30-60 Euro pro Monat.

Offenlegungspflicht: Der Jahresabschluss muss im Bundesanzeiger veröffentlicht werden. Kosten: minimal, aber Versäumnis wird mit Ordnungsgeldern ab 2.500 Euro bestraft.

In Summe musst du mit GmbH laufende Kosten von 5.000-12.000 Euro pro Jahr rechnen, die ein Einzelunternehmen so nicht hätte. Diese Kosten musst du von der Steuerersparnis abziehen.

Rechne nicht nur die Steuerersparnis, sondern ziehe die laufenden Mehrkosten ab. Unter 80.000 Euro Gewinn frisst die Bürokratie die Steuerersparnis komplett auf.

UG oder GmbH — was für Gründer oder Gründerinnen besser passt

Wenn du die Grundidee der GmbH überzeugend findest, aber das Stammkapital 25.000 Euro eine Hürde ist, denkst du vielleicht über eine UG (haftungsbeschränkt) nach. Die UG gründen ist mit einem Stammkapital ab 1 Euro möglich. Aber ist die UG vs GmbH wirklich die bessere Wahl?

UG vs GmbH: Die wichtigsten Unterschiede

Stammkapital: UG ab 1 Euro, GmbH 25.000 Euro. In der Praxis gründen die meisten UGs mit 500-5.000 Euro Stammkapital.

Thesaurierungspflicht: Die UG muss 25 % ihres Jahresüberschusses in eine Rücklage einstellen, bis das Stammkapital von 25.000 Euro erreicht ist. Das begrenzt die Ausschüttungsmöglichkeiten.

Image: "UG (haftungsbeschränkt)" signalisiert manchen Geschäftspartnern: "Da ist nicht viel Substanz." Bei B2B-Kunden kann das ein Nachteil sein.

Steuerlich: Kein Unterschied. Die UG wird steuerlich exakt wie eine GmbH behandelt — Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer GmbH, Bilanzpflicht, alles identisch.

Meine Empfehlung: Wenn du die 25.000 Euro aufbringen kannst (und das Geld ja in der GmbH bleibt), gründe gleich die GmbH. Die UG gründen ist nur sinnvoll als Einstieg, wenn du das Kapital wirklich nicht hast — aber plane dann die Umwandlung zur GmbH fest ein.

Umwandlung Einzelunternehmen GmbH

Falls du bereits als Einzelunternehmer tätig bist und nun wechseln willst: Die Umwandlung Einzelunternehmen GmbH ist steuerlich komplex. Es gibt drei Wege:

Einbringung nach dem UmwStG: Du bringst dein Einzelunternehmen in eine GmbH ein. Vorteil: Unter bestimmten Voraussetzungen ist die Einbringung zu Buchwerten möglich (keine Aufdeckung stiller Reserven). Nachteil: 7-jährige Sperrfrist, in der du die Anteile nicht veräußern darfst.

Neugründung + Verkauf: Du gründest eine GmbH und verkaufst ihr die Assets deines Einzelunternehmens. Einfacher, aber eventuell steuerpflichtige Gewinne.

Ausgliederung: Formwechsel nach UmwG. Für Einzelunternehmen nur eingeschränkt möglich.

Die Umwandlung kostet inklusive Steuerberater und Notar typischerweise 3.000-8.000 Euro. Lass dich hier unbedingt individuell beraten.

Holding-Struktur: Wann sich die zweite GmbH lohnt

Wenn du in Steuerforen unterwegs bist, liest du schnell von der "Spardosen GmbH" oder der GmbH-Holding-Struktur. Was steckt dahinter?

Das Prinzip der Holding

Eine GmbH-Holding-Struktur besteht aus mindestens zwei GmbHs: einer operativen GmbH (die das Tagesgeschäft macht) und einer Holding-GmbH (die die Anteile an der operativen GmbH hält). Der Vorteil: Gewinnausschüttungen von der operativen GmbH an die Holding-GmbH sind zu 95 % steuerfrei (nur 5 % werden als nicht abzugsfähige Betriebsausgaben besteuert). Effektive Steuer auf die Ausschüttung: rund 1,5 % statt Kapitalertragsteuer 25 %.

Spardosen GmbH und vermögensverwaltende GmbH

Die Spardosen GmbH ist im Grunde die Holding, in der die Gewinne gesammelt und steuerbegünstigt investiert werden. Als vermögensverwaltende GmbH kann sie das Geld in Aktien, Immobilien oder andere Anlagen stecken. Dividenden aus Aktien werden ebenfalls zu 95 % steuerfrei vereinnahmt. Aktienverkäufe ebenso.

Wann lohnt sich eine Holding? Typischerweise ab einem Gewinn der operativen GmbH von 150.000-200.000 Euro aufwärts, weil du dann genug thesaurieren kannst, um die zusätzlichen Kosten (zweite Buchhaltung, zweiter Jahresabschluss, ca. 3.000-5.000 Euro pro Jahr) zu rechtfertigen.

Die Holding-Struktur ist der Turbo für Vermögensaufbau in der GmbH. Aber sie rechnet sich erst bei deutlich sechsstelligen Gewinnen — und erfordert diszipliniertes Reinvestieren statt Ausschütten.

Wann die GmbH sich nicht lohnt

Zum Abschluss die ehrliche Seite: Eine GmbH ist kein Allheilmittel. Sie lohnt sich nicht, wenn:

Dein Gewinn unter 60.000-80.000 Euro liegt: Die Mehrkosten für Steuerberater, Bilanzierung und Verwaltung fressen die Steuerersparnis auf.

Du jeden Euro Gewinn zum Leben brauchst: Dann musst du alles ausschütten, und die Gesamtbelastung übersteigt die des Einzelunternehmens.

Du Freiberufler bist und das nicht aufgeben willst: In der GmbH wird jede Tätigkeit gewerblich — du verlierst den Freiberufler-Status und damit die Gewerbesteuerbefreiung.

Du die Bürokratie scheust: GmbH Bilanzpflicht, Gesellschafterversammlungen, Handelsregister-Pflichten — der Verwaltungsaufwand ist real.

Die Entscheidung GmbH vs. Einzelunternehmen ist immer individuell. Sie hängt von deiner Gewinnhöhe, deinem Entnahmebedarf, deinen Investitionsplänen und deiner Bereitschaft zur Bürokratie ab. Hol dir eine professionelle Steuerberatung und rechne mit deinen echten Zahlen.

Und vergiss nicht: Steuern sparen ist wichtig, aber nur ein Teil deiner Finanzstrategie. In meinem Artikel zu Steuerhebeln für Selbstständige findest du weitere Ansätze, die auch ohne GmbH funktionieren. Und wenn du bereits eine GmbH hast, ist eine Pensionszusage als GmbH-Geschäftsführer einer der stärksten Hebel für deine Altersvorsorge.

Häufige Fragen

Ab welchem Gewinn lohnt sich eine GmbH-Gründung?

In der Regel wird eine GmbH ab einem Jahresgewinn von etwa 80.000 bis 100.000 Euro steuerlich interessant. Die GmbH zahlt rund 30 % Gesamtsteuer (Körperschaftsteuer plus Gewerbesteuer), während der persönliche Einkommensteuersatz bis 45 % betragen kann.

Was kostet die Gründung einer GmbH?

Die reinen Gründungskosten liegen bei 800 bis 1.500 Euro (Notar, Handelsregister, Gewerbeanmeldung). Dazu kommt das Stammkapital von mindestens 25.000 Euro, wovon bei Gründung mindestens 12.500 Euro eingezahlt werden müssen.

Welche Nachteile hat eine GmbH gegenüber dem Einzelunternehmen?

Die größten Nachteile sind der höhere Verwaltungsaufwand (Buchführungspflicht, Jahresabschluss, Veröffentlichungspflicht), höhere laufende Kosten für Steuerberater und die eingeschränkte Gewinnentnahme. Dein Gehalt als Geschäftsführer ist sozialversicherungs- und steuerpflichtig.