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Du weißt, dass du für die Rente vorsorgen solltest. Aber weißt du auch, wie viel dir tatsächlich fehlt? Die meisten Selbstständigen und Freiberufler haben eine vage Ahnung, dass die gesetzliche Rente nicht reicht — aber kaum jemand hat seine Versorgungslücke berechnet. Dabei ist genau das der erste und wichtigste Schritt: Deine Rentenlücke kennen. Denn ohne eine konkrete Zahl kannst du keinen Sparplan aufstellen, keine Sparquote festlegen und keine sinnvolle Entscheidung über ETF, Rürup oder andere Vorsorgeprodukte treffen.

In diesem Artikel zeige ich dir, wie du deine Rentenlücke berechnen kannst — in 5 Minuten, mit einer einfachen Formel. Inklusive Inflationsbereinigung, konkreter Sparrate und einem Fahrplan, der sofort wirkt.

Was ist die Rentenlücke — und warum betrifft sie Selbstständige doppelt?

Die Rentenlücke (auch Vorsorgelücke) ist die Differenz zwischen dem Einkommen, das du im Ruhestand brauchst, und dem, was du tatsächlich bekommst. Klingt simpel — ist es auch. Aber die Zahlen dahinter sind erschreckend.

Das Rentenniveau 2040 wird nach aktuellen Prognosen bei etwa 43 % des Durchschnittseinkommens liegen (2026 liegt es bei rund 48 %). Das bedeutet: Wer heute 4.000 Euro brutto verdient und 45 Jahre Beiträge zahlt, bekommt eine gesetzliche Rente von rund 1.700 Euro brutto. Davon gehen noch Rente Krankenversicherung Abzüge und Rente Steuern ab — übrig bleiben vielleicht 1.300 Euro netto.

Für Selbstständige ist die Situation noch dramatischer. Warum? Weil viele Freiberuflerinnen, Freiberufler und Gründer gar nicht oder nur teilweise in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Wer 10 Jahre angestellt war und dann gründet, hat vielleicht 15 Entgeltpunkte auf dem Konto — das ergibt eine gesetzliche Rente von rund 570 Euro brutto. Davon kann niemand leben.

Die Frage ist nicht, ob du eine Rentenlücke hast — sondern wie groß sie ist. Und ob du sie noch rechtzeitig schließen kannst.

Wie viel Rente brauche ich eigentlich?

Die Faustregel: Du brauchst im Ruhestand etwa 80 % deines letzten Nettoeinkommens. Warum nicht 100 %? Weil einige Kosten wegfallen (Pendeln, Berufskleidung, Beiträge zur Altersvorsorge selbst). Dafür kommen andere dazu (Gesundheit, Freizeit, Pflege). 80 % ist ein realistischer Mittelwert.

Beispiel: Dein aktuelles Netto liegt bei 3.500 Euro. 80 % davon = 2.800 Euro Wunschrente. Das ist die Zahl, mit der du rechnest.

Die Formel: Rentenlücke in 3 Schritten berechnen

Hier ist die einfache Formel, um deine Rentenlücke zu berechnen — kein Rentenrechner online nötig, nur drei Schritte:

Schritt 1: Wunschrente festlegen

Nimm 80 % deines aktuellen Nettoeinkommens. Bei 3.500 Euro netto sind das 2.800 Euro monatlich. Das ist dein Zielwert — das Geld, das du im Ruhestand jeden Monat brauchst.

Schritt 2: Gesetzliche Rente ermitteln

Schau in deine Renteninformation — das ist der Brief, den die Deutsche Rentenversicherung dir jedes Jahr schickt (oder du rufst ihn online ab). Dort steht deine voraussichtliche Rente bei Regelbeitrag bis 67 (Rente 67). Achtung: Das ist der Bruttowert. Davon musst du noch etwa 10-11 % Kranken- und Pflegeversicherung abziehen, plus Einkommensteuer (je nach Gesamteinkommen). Faustformel: Rente Brutto Netto — zieh rund 20-25 % ab.

Beispiel: Deine Renteninformation sagt 1.200 Euro brutto. Nach Abzügen bleiben rund 950 Euro netto.

Wenn du als Selbstständiger gar keine gesetzliche Rente bekommst: Setze hier 0 Euro ein. Wenn du in einem berufsständischen Versorgungswerk bist, nimm die dortige Prognose.

Schritt 3: Differenz = Rentenlücke

2.800 Euro Wunschrente - 950 Euro gesetzliche Rente (netto) = 1.850 Euro Rentenlücke pro Monat.

Das ist die Zahl. 1.850 Euro — jeden Monat, ab dem ersten Rententag, bis zu deinem Lebensende. Bei einer statistischen Rentendauer von 20 Jahren sind das insgesamt 444.000 Euro, die du aus eigener Tasche aufbringen musst.

Deine Rentenlücke ist keine abstrakte Zahl. Sie ist der konkrete Euro-Betrag, der zwischen deinem heutigen Lebensstandard und Altersarmut steht.
Katharina Vranic
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Inflation: Warum 2.000 Euro in 30 Jahren nur 1.100 Euro wert sind

Jetzt kommt der Teil, den die meisten verdrängen: die Inflation. Die Kaufkraft deines Geldes sinkt — jedes Jahr. Bei einer durchschnittlichen Inflation von 2 % pro Jahr sind 2.000 Euro in 30 Jahren nur noch rund 1.100 Euro wert. Dein Kaufkraftverlust der Rente ist real und massiv.

Was bedeutet das für deine Rentenlücke? Du musst inflationsbereinigt rechnen. Deine 1.850 Euro Rentenlücke heute entsprechen in 30 Jahren einem Bedarf von etwa 3.350 Euro in heutiger Kaufkraft — weil alles teurer geworden ist: Miete, Lebensmittel, Gesundheitskosten.

Rentenlücke mit Inflationsrechner

Die Rentenlücke mit Inflationsrechner bereinigt: Nimm deine Rentenlücke (1.850 Euro) und multipliziere sie mit dem Inflationsfaktor. Bei 2 % Inflation und 30 Jahren bis zur Rente: Faktor 1,81. Also: 1.850 x 1,81 = 3.348 Euro reale Rentenlücke pro Monat in 30 Jahren.

Das klingt dramatisch — ist aber kein Grund zur Panik. Es ist ein Grund, jetzt anzufangen. Denn der Zinseszins arbeitet genauso exponentiell wie die Inflation — nur in deine Richtung.

Rentenlücke schließen: Welche Sparrate du wirklich brauchst

Die große Frage: Altersvorsorge wie viel sparen? Hier die Rechnung für unser Beispiel (1.850 Euro Rentenlücke, 30 Jahre bis zur Rente, 20 Jahre Rentenbezug):

Szenario 1: Sparbuch (0,5 % Rendite)

Um 444.000 Euro in 30 Jahren anzusparen, brauchst du eine monatliche Sparrate von 1.180 Euro. Unrealistisch für die meisten Selbstständigen — und auch unnötig, wenn du klüger anlegst.

Szenario 2: ETF-Sparplan (6 % Rendite nach Kosten)

Mit einem breit diversifizierten ETF-Sparplan und einer historischen Rendite von 6 % nach Kosten brauchst du eine monatliche Sparrate von rund 440 Euro. Das ist machbar — und zeigt, warum die Rentenlücke schließen mit ETF für viele Selbstständige der effizienteste Weg ist.

Szenario 3: ETF + Rürup-Rente (Steuerboost)

Wenn du einen Teil deiner Sparrate in eine Rürup-Rente steckst, bekommst du über die Steuererstattung effektiv eine höhere Rendite. 200 Euro ETF + 250 Euro Rürup ergibt eine Nettobelastung von rund 360 Euro pro Monat (weil du die Rürup-Beiträge als Sonderausgaben absetzt). Mehr dazu in meinem Artikel zur Altersvorsorge für Selbstständige.

Die Sparquote-Faustregel

Für die Sparquote Altersvorsorge gilt als Richtwert: 15 bis 20 % deines Nettoeinkommens solltest du für die Altersvorsorge zurücklegen. Bei 3.500 Euro netto sind das 525 bis 700 Euro pro Monat. Damit liegst du im grünen Bereich.

Wer mit 30 anfängt, braucht 440 Euro im Monat. Wer erst mit 50 anfängt — Rente mit 50 anfangen — braucht für dasselbe Ziel über 1.400 Euro. Jedes Jahr Verzögerung kostet dich exponentiell mehr.

Rente mit 50 anfangen — geht das noch?

Ja, aber der Preis ist hoch. Wer erst mit 50 anfängt, für die Rente mit 50 vorzusorgen, hat nur noch 17 Jahre. Bei 6 % Rendite und einer Zielsumme von 444.000 Euro brauchst du eine monatliche Sparrate von 1.290 Euro. Das ist dreimal so viel wie bei einem Start mit 30. Der Zinseszins hat einfach weniger Zeit zu arbeiten.

Dein 5-Minuten-Fahrplan: Jetzt berechnen, dann handeln

Genug Theorie — jetzt wird es praktisch. Hier ist dein Fahrplan in 5 Minuten:

Minute 1-2: Wunschrente festlegen

Nimm dein aktuelles Nettoeinkommen. Multipliziere es mit 0,8. Das ist deine Wunschrente. Schreib die Zahl auf.

Minute 2-3: Gesetzliche Rente prüfen

Öffne deine letzte Renteninformation oder log dich bei der Deutschen Rentenversicherung online ein. Nimm den Bruttowert und zieh 22 % ab (für Steuern und Sozialabgaben). Das ist dein Netto-Rentenwert. Schreib ihn auf.

Kein Anspruch auf gesetzliche Rente? Dann steht dort 0. Versorgungswerk? Nimm die aktuelle Prognose.

Minute 3-4: Rentenlücke berechnen

Wunschrente minus gesetzliche Rente (netto) = deine Rentenlücke. Das ist die monatliche Lücke, die du selbst schließen musst.

Minute 4-5: Sparrate ableiten

Nimm deine Rentenlücke. Multipliziere sie mit 240 (= 20 Jahre Rentenbezug x 12 Monate). Das ist dein Kapitalbedarf. Teile das durch die Anzahl der Monate bis zu deiner Rente. Das ist deine Sparrate — ohne Rendite. Mit ETF-Rendite (6 %) kannst du den Wert grob halbieren.

Für eine genauere Berechnung nutze einen Rentenrechner online — oder buche ein kostenloses Erstgespräch, in dem wir deine Zahlen gemeinsam durchgehen.

Die wichtigste Erkenntnis

Deine Vorsorgelücke schließen — das ist kein Projekt für irgendwann. Es ist ein Projekt für heute. Denn jeder Monat, den du wartest, macht die Lücke größer und die nötige Sparrate höher. Du musst nicht alles auf einmal lösen. Aber du musst anfangen.

Du willst deine Rentenlücke nicht nur berechnen, sondern einen konkreten Plan haben, wie du sie schließt? Dann lass uns das zusammen durchrechnen — kostenlos und unverbindlich.

Häufige Fragen

Wie berechne ich meine Rentenlücke als Selbstständiger?

Ziehe deine voraussichtlichen Rentenansprüche (gesetzliche Rente, Versorgungswerk, Rürup etc.) von deinem gewünschten Netto-Einkommen im Alter ab. Vergiss nicht, die Inflation einzurechnen — 2.000 Euro heute sind in 25 Jahren nur noch rund 1.200 Euro wert.

Wie hoch ist die durchschnittliche Rentenlücke bei Selbstständigen?

Selbstständige ohne gesetzliche Rentenversicherung haben oft die größte Rentenlücke. Wer 3.000 Euro monatlich im Alter benötigt und keine Ansprüche aufgebaut hat, muss die gesamte Summe privat finanzieren — das entspricht einem Kapitalbedarf von rund 500.000 bis 700.000 Euro.

Wie viel Kapital brauche ich, um meine Rentenlücke zu schließen?

Als Faustregel: Multipliziere deine monatliche Rentenlücke mit 300. Bei einer Lücke von 1.500 Euro pro Monat brauchst du rund 450.000 Euro Kapital, um über 25 Jahre davon leben zu können — bei einer Entnahmerate von 4 % pro Jahr.