Niemand denkt gerne darüber nach. Aber als Selbstständiger musst du es tun: Was passiert mit deiner Familie, deinem Geschäftspartner, deiner Immobilie — wenn du morgen nicht mehr da bist? Angestellte hinterlassen zumindest eine Witwen- oder Waisenrente. Selbstständige hinterlassen: Schulden, offene Verträge und eine Familie ohne Einkommen.
Die Risikolebensversicherung für Selbstständige ist der Todesfallschutz, der genau diese Katastrophe verhindert — für einen Bruchteil dessen, was die meisten vermuten. Ab 8 Euro im Monat. Dieser Artikel zeigt dir, wann du sie wirklich brauchst, wie hoch die Summe sein muss und welche Klauseln den Unterschied machen.
Risikolebensversicherung: Warum gerade Selbstständige sie brauchen
Die Hinterbliebenenabsicherung ist für Selbstständige aus drei Gründen kritischer als für Angestellte:
1. Keine gesetzliche Hinterbliebenenrente
Angestellte zahlen in die Deutsche Rentenversicherung ein — im Todesfall gibt es Witwen-/Witwerrente (bis zu 55 % der Rente) und Waisenrente. Als Selbstständige oder Selbstständiger ohne Pflichtversicherung gibt es: nichts. Deine Familie steht von einem Tag auf den anderen ohne Einkommen da.
2. Geschäftliche Verbindlichkeiten
Du hast einen Büromietvertrag, laufende Projekte, vielleicht einen Geschäftspartner, der auf dich angewiesen ist. Im Todesfall müssen diese Verbindlichkeiten abgewickelt werden — und das kostet Geld, das deine Familie nicht hat.
3. Immobilienkredit ohne Absicherung
Wenn du eine Immobilie finanziert hast, läuft der Kredit nach deinem Tod weiter. Deine Familie muss die Raten weiter zahlen — aus einem Einkommen, das nicht mehr existiert. Eine Risikolebensversicherung bei Baufinanzierung ist keine Option, sondern Pflicht. Viele Banken fordern sie ohnehin als Bedingung für den Kredit.
Die Risikolebensversicherung ist keine Versicherung für dich — sie ist eine Versicherung für die Menschen, die du liebst. Und als Selbstständiger gibt es keinen staatlichen Ersatz.
Wann brauchst du eine Risiko-LV?
Die Antwort ist einfach: Immer dann, wenn jemand finanziell von dir abhängig ist. Das sind konkret:
- Risikolebensversicherung für die Familie: Partner/in und Kinder, die auf dein Einkommen angewiesen sind.
- Risiko-LV bei Immobilienkredit: Die Restschuld muss im Todesfall gedeckt sein.
- Selbstständige mit Absicherung bei Tod: Geschäftspartner, die das Unternehmen weiterführen oder abwickeln müssen.
Wenn du Single ohne Kinder, ohne Immobilie und ohne Geschäftspartner bist — dann brauchst du sie nicht. Für alle anderen: Lies weiter.
Versicherungssumme berechnen: Die Faustformel und der Realitätscheck
Die Versicherungssumme berechnen ist der wichtigste Schritt — und der, bei dem die meisten zu niedrig ansetzen. Hier die Methode:
Die Faustformel
Versicherungssumme = Jahreseinkommen x verbleibende Arbeitsjahre x 0,6 + offene Kredite
Beispiel: Du bist 35, verdienst 60.000 Euro netto im Jahr, hast noch 30 Arbeitsjahre und einen Immobilienkredit mit 250.000 Euro Restschuld.
60.000 x 30 x 0,6 = 1.080.000 Euro + 250.000 Euro Kredit = 1.330.000 Euro.
Das klingt nach viel — aber genau so viel braucht deine Familie, um den Lebensstandard über Jahrzehnte zu halten und den Kredit abzubezahlen.
Der Realitätscheck
Die Faustformel ist ein guter Startpunkt. In der Praxis passt du an:
- Berufstätigkeit des Partners: Verdient dein/e Partner/in eigenes Geld? Dann sinkt der Bedarf.
- Anzahl und Alter der Kinder: Je jünger die Kinder, desto mehr Jahre musst du absichern.
- Bestehende Vermögenswerte: Ersparnisse, Depot, vermietete Immobilie — das reduziert den Bedarf.
- Erbschaftsteuer: Die Erbschaftsteuer bei Risiko-LV kann relevant werden, wenn die Versicherungssumme über den Freibeträgen liegt. Ehepartner haben einen Freibetrag von 500.000 Euro, Kinder von 400.000 Euro. Darüber hinaus wird Erbschaftsteuer fällig — es sei denn, du regelst das Bezugsrecht richtig.
Realistische Summen in der Praxis
- Selbstständiger, 30, Single, kein Kredit: Keine Risiko-LV nötig.
- Selbstständiger, 35, verheiratet, 2 Kinder, kein Kredit: 400.000 bis 600.000 Euro.
- Selbstständiger, 38, verheiratet, 1 Kind, 300.000 Euro Immobilienkredit: 600.000 bis 900.000 Euro.
- Selbstständige Doppelverdiener, 40, 2 Kinder, 400.000 Euro Kredit: Jeweils 300.000 bis 500.000 Euro — idealerweise als Kreuzversicherung.
Was kostet eine Risiko-LV 2026? Echte Beispielrechnungen
Die gute Nachricht: Die Risikolebensversicherung Kosten sind überraschend niedrig. Kein Vergleich zu einer BU oder einer Krankentagegeld-Police. Hier die Risikolebensversicherung 2026 Kosten im Detail:
Beispiel 1: Mann, 30, Nichtraucher, 300.000 Euro, 30 Jahre Laufzeit
Monatsbeitrag: ab 8 Euro.
Beispiel 2: Frau, 35, Nichtraucherin, 500.000 Euro, 25 Jahre Laufzeit
Monatsbeitrag: ab 12 Euro.
Beispiel 3: Mann, 40, Raucher, 400.000 Euro, 20 Jahre Laufzeit
Monatsbeitrag: ab 35 Euro.
Der Unterschied bei der Risikolebensversicherung für Raucher ist enorm: Raucher zahlen rund das 2,5- bis 3-fache gegenüber Nichtrauchern. Wer mit dem Rauchen aufhört und nach 12 Monaten Abstinenz einen negativen Cotinin-Test vorlegt, kann den Tarif oft auf Nichtraucher-Konditionen umstellen.
Beispiel 4: Paar, beide 35, jeweils 250.000 Euro, 25 Jahre — als Kreuzversicherung
Monatsbeitrag gesamt: ab 16 Euro (2 x 8 Euro).
Zum Risikolebensversicherung Vergleich: Die Preisunterschiede zwischen den Anbietern sind gering — meist nur 2-5 Euro pro Monat bei gleicher Versicherungssumme. Der Unterschied liegt in den Bedingungen: Nachversicherungsgarantie, Gesundheitsprüfung, Bezugsrecht.
Steuerlich: Die Beiträge zur Risikolebensversicherung sind steuerlich absetzbar — als Sonderausgaben im Rahmen der Vorsorgeaufwendungen. Der Abzug ist allerdings begrenzt und wird oft durch Krankenversicherungsbeiträge ausgeschöpft. Im Leistungsfall ist die Auszahlung an die Hinterbliebenen steuerfrei (Einkommensteuer), kann aber erbschaftsteuerpflichtig sein.
Gesundheitsprüfung: Was du wissen musst
Die Gesundheitsprüfung bei der Risiko-LV ist weniger umfangreich als bei einer BU — aber trotzdem relevant. Standardmäßig werden Fragen zu Vorerkrankungen, Raucherstatus, Größe und Gewicht gestellt. Ab höheren Versicherungssummen (meist ab 300.000-500.000 Euro) verlangen Versicherer zusätzlich ärztliche Untersuchungen oder Bluttests.
Eine Risikolebensversicherung ohne Prüfung gibt es kaum — und wenn, dann mit stark erhöhten Beiträgen und niedrigeren Maximalsummen. Der reguläre Weg mit Gesundheitsfragen ist fast immer die bessere Wahl.
Kreuzversicherung, Bezugsrecht, Laufzeit: Die Details, die zählen
Kreuzversicherung: Der Steuer-Hack für Paare
Bei der Kreuzversicherung — auch Risiko-LV über Kreuz genannt — versichert Partner A das Leben von Partner B und umgekehrt. Der Vorteil: Im Todesfall erhält der überlebende Partner die Versicherungssumme nicht als Erbe, sondern als Versicherungsnehmer. Damit fällt die Auszahlung komplett aus der Erbschaftsteuer heraus. Bei hohen Summen über den Freibeträgen kann das zehntausende Euro Steuerersparnis bedeuten.
Beispiel: Versicherungssumme 600.000 Euro. Ohne Kreuzversicherung: Erbschaftsteuer auf den Betrag über dem Freibetrag von 500.000 Euro = Steuer auf 100.000 Euro = ca. 11.000 Euro. Mit Kreuzversicherung: 0 Euro Steuer.
Bezugsrecht: Wer bekommt das Geld?
Das Bezugsrecht bei der Risiko-LV regelt, wer im Todesfall die Versicherungssumme erhält. Standardmäßig sind das die Hinterbliebenen (Ehepartner, Kinder). Du kannst das Bezugsrecht aber auch unwiderruflich festlegen — zum Beispiel auf deinen Geschäftspartner, der damit das Unternehmen weiterbetreiben kann.
Wichtig: Bei einer Trennung oder Scheidung denke daran, das Bezugsrecht anzupassen. Sonst geht die Versicherungssumme an deinen Ex-Partner.
Laufzeit richtig wählen
Die Risikolebensversicherung Laufzeit sollte so lang sein, wie die Absicherung nötig ist:
- Für Kinder: Bis das jüngste Kind finanziell unabhängig ist — in der Regel bis zum 25. Lebensjahr (Studium/Ausbildung).
- Für den Immobilienkredit: Bis der Kredit vollständig getilgt ist.
- Für den Partner: Bis zur Rente des Partners, wenn dieser nicht selbst ausreichend verdient.
Nachversicherungsgarantie
Die Nachversicherungsgarantie bei der Risiko-LV ist genauso wichtig wie bei der Berufsunfähigkeitsversicherung: Bei bestimmten Lebensereignissen — Heirat, Geburt, Immobilienkauf, Einkommenssteigerung — kannst du die Versicherungssumme ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöhen. Unverzichtbar für junge Selbstständige, deren Lebenssituation sich noch stark verändern wird.
Fallende vs. konstante Versicherungssumme
Bei einer fallenden Versicherungssumme sinkt die abgesicherte Summe über die Laufzeit — analog zur sinkenden Restschuld eines Kredits. Das ist günstiger, aber nur sinnvoll, wenn die Risiko-LV ausschließlich zur Risiko-LV bei Immobilienkredit-Absicherung dient. Für die Familienabsicherung wähle eine konstante Summe — dein Einkommensbedarf sinkt nicht, nur weil du älter wirst.
Die Risikolebensversicherung kostet weniger als ein Streaming-Abo. Sie schützt dafür alles, was wirklich zählt.
Risikolebensversicherung bei Immobilienfinanzierung
Die Risikolebensversicherung bei Baufinanzierung ist ein besonders wichtiger Sonderfall für Selbstständige. Warum? Weil die Bank bei der Baufinanzierung für Selbstständige ohnehin strenger prüft — und ein ungesicherter Kredit bei Tod des Hauptverdieners eine Katastrophe für die Familie wäre.
Was passiert ohne Risiko-LV beim Immobilienkredit?
Der Kredit geht auf die Erben über. Dein/e Partner/in muss die Raten aus eigenem Einkommen stemmen — oft unmöglich, wenn du als Selbstständiger der Hauptverdiener warst. Im schlimmsten Fall muss die Immobilie verkauft werden — unter Zeitdruck und oft unter Wert.
Fallende Summe als günstige Lösung
Hier ergibt die fallende Versicherungssumme Sinn: Dein Kredit hat nach 10 Jahren noch 200.000 Euro Restschuld, nach 20 Jahren noch 80.000 Euro. Die Risiko-LV sinkt parallel — und der Beitrag ist rund 30-40 % günstiger als bei konstanter Summe.
Die Kombi-Strategie
Optimal für Selbstständige mit Familie und Immobilie: Zwei separate Risiko-LVs.
- Vertrag 1: Fallende Summe in Höhe der Restschuld, Laufzeit = Kreditlaufzeit. Zweck: Kredit absichern.
- Vertrag 2: Konstante Summe für die Familienabsicherung. Laufzeit bis das jüngste Kind 25 ist. Zweck: Lebensstandard sichern.
Zwei Verträge klingen nach Overkill — aber die Beiträge sind so niedrig, dass die Kombi in Summe oft unter 30 Euro pro Monat liegt.
Dein nächster Schritt
Berechne deine Versicherungssumme mit der Formel oben. Prüfe, ob du eine bestehende Risiko-LV hast und ob die Summe noch passt — besonders nach Heirat, Geburt oder Immobilienkauf. Und wenn du unsicher bist, ob Kreuzversicherung, Bezugsrecht und Laufzeit optimal eingestellt sind, klären wir das in einem kurzen Gespräch.
Häufige Fragen
Wie hoch sollte die Versicherungssumme bei der Risikolebensversicherung sein?
Die Faustformel lautet: Jahreseinkommen mal verbleibende Arbeitsjahre mal 0,6 plus offene Kredite. Für eine Familie mit Immobilienkredit liegen typische Summen zwischen 400.000 und 900.000 Euro.
Was kostet eine Risikolebensversicherung für Selbstständige?
Überraschend wenig: Ein 30-jähriger Nichtraucher zahlt für 300.000 Euro Versicherungssumme ab etwa 8 Euro monatlich. Raucher zahlen rund das 2,5- bis 3-Fache.
Was ist eine Kreuzversicherung bei der Risikolebensversicherung?
Bei der Kreuzversicherung versichert Partner A das Leben von Partner B und umgekehrt. Der Vorteil: Im Todesfall fällt die Auszahlung aus der Erbschaftsteuer heraus, was bei hohen Summen zehntausende Euro Steuerersparnis bedeuten kann.



